Das Villgratental in Osttirol verwendet in seinem Regionalmarketing seit Jahren den genialen Slogan: “Kommen Sie zu uns – denn wir haben nichts!” Reduktion auf das Wesentliche ist in Zeiten der Reizüberflutung ein Segen. Dasselbe gilt für Schreibsoftware. Nach ein paar Gedanken zum Thema werde ich etwas näher auf meine beiden Lieblingsprogramme in diesem Bereich – Writer Pro und WriteMonkey – eingehen. (Der vorliegende Blogbeitrag wurde auf beiden – via Dropbox-Sychronisierung – zu etwa gleichen Teilen verfasst.)

Bild zeigt leere Blätter. Message: Professionelles Texten erfordert professionelle Herangehensweisen.

Schreiben ist ein Lebensgefühl. Ausschnitte der (materiellen und/oder immateriellen) Welt lassen sich auf einem Blatt Papier oder einem Bildschirm in ihre Einzelteile zerlegen und – mit verändertem Fokus – neu zusammenbauen. Dabei entstehen neue Welt-Bilder. Schreiben ist aber auch Profession – für Journalisten, Drehbuchautoren, PR-Berater etc. Immer jedoch bedeutet Schreiben, sich in ein entstehendes Text-/Gedankengebilde “hineinziehen” zu lassen. Und äußere Einflüsse dabei so weit als möglich auszublenden. (Nicht umsonst ziehen sich Literaten zum Schreiben ihrer Texte gerne zurück.)

Keine Ablenkung!

Bei schreibhemmenden Störfaktoren denken die meisten Menschen wohl zuerst an Lärm, grelles Licht und ähnliche Dinge. Aber nicht an ihr Textverarbeitungsprogramm. Nennen wir es Word. Dieses bietet alle Features (Formatierungen, Tabelleneinfügungen etc.) – und zeigt diese auch (omnipräsent) her. Die Alleskönner-Menüleiste stets im peripheren Blickfeld, hat einen unangenehmen Effekt: es wird immer auch ein Stückchen Aufmerksamkeit vom eigentlichen Textgebilde abgezogen. (Anders gesagt: Die Software-Welt stört meine Gedanken!!!) Zunächst einmal will man ja nur schreiben und bei sich sein. Formatierungen & Co kann man gut und gerne vornehmen, wenn das sprachliche Konstrukt in trockenen Tüchern ist.

Reduktion

Das Perfide an herkömmlichen Textverarbeitungsprogrammen, deren Möglichkeiten 99,99% der Menschheit ohnedies nur zu einem sehr geringen Teil ausnützen kann: man ist sich des Aufmerksamkeitskillers nicht bewusst, der in ihnen wohnt. Wir alle sind damit aufgewachsen, dass eine Software wie Word Computernormalität ist. Es ist halt kein Papier mehr… Ich habe mir darüber auch nie groß Gedanken gemacht – bis zu einer Keynote von Oliver Reichenstein beim scoopcamp 2009 in Hamburg. (Reichenstein ist Gründer der Designagentur Information Architects in Tokio;Anm.) Im selben Jahr war die Schreib-App Writer auf den Markt gekommen (für iOS & Mac OS). Ein extrem reduziertes Textprogramm ohne Formatierungsschnickschnack. In herrlich angenehmem Schriftdesign (nur 1 Font!) zeigte sie nichts anderes als den bloßen Text. Keine Aufmerksamkeitsstreuverluste durch Font-Auswahlen und für den Textrstellungsprozess vergleichbare Nebensächlichkeiten. Writer hat den Nerv der Zeit voll getroffen: es war bald eine der populärsten Anwendungen im App-Store (mit bis heute über 1 Mio Downloads).

Fokus

In der Folge bin ich erstmal dazu übergegangen – ich hatte damals weder iPhone noch iPad noch Mac – mein Open Office-Textverarbeitungsprogramm bei jedem neuen Text so einzurichten, dass die Menüleiste und die Ränder verschwanden (Webdesign statt Seitenlayout, Full Screen). Auch eine angenehme Font (Georgia, Schriftgröße 16) gehörte ab sofort zu meiner Fokus-Optimierungsinitiative. Sehr provisorisch (und dilettantisch), aber geholfen hat es trotzdem: meine Konzentration (durch die plötzliche Ruhe im Editor) und auch meine Zeitökonomie beim Schreiben haben merklich profitiert. Ein wahrer Segen für einen Vielschreiber wie mich, der vom Finger in [durchstreichen!] auf das Keyboard lebt.

Tools: Writer Pro & WriteMonkey

Im Folgenden stelle ich Ihnen zwei Tools näher vor, welche die Intimität (ja, es ist eine Intimität!) von Gedanken im Kopf & Sprachwerdung am Bildschirm/Tablet achten. Und es darum ermöglichen, dass man sich ganz auf den Text konzentrieren kann. (Ohne dass einem irgendwelche blöden Features hineinleuchten.) Writer Pro verwende ich am iPad, WriteMonkey am PC. Andere Schreibsoftware benutze ich nicht. (Formatierungen nehme ich bei Blogtexten erst in WordPress vor; für auszudruckende Dokumente kopiere ich den Text in ein OpenOffice-Dokument und formatiere da.