Es gibt viele Menschen, die sich gerne für eine Sache engagieren und für Themen aufstehen, die ihnen wichtig sind. Wer es schafft, Gleichgesinnte zu mobilisieren und in gemeinsame Aktionen einzubinden, hat gute Chancen, eine große Kampagne auf den Weg zu bringen. Um am Ende des Weges das gemeinsame Ziel zu erreichen. Was dabei aber nicht zu kurz kommen darf, ist die Kommunikation nach innen.

Together we're strong vs. Basisdemokratie

Gerade in zivilgesellschaftlichen Initiativen (Volksbegehren, NGO‘s etc.) ist ein sich aufbauendes "Wir"-Gefühl ein entscheidender Erfolgsfaktor. In aller Regel ist das Gros der Beteiligten ehrenamtlich dabei. Die Bereitschaft, Ressourcen wie Arbeit, Zeit & Engagement für eine gemeinsame Sache zu verwenden, ist dem Gefühl geschuldet: "together we're strong - gemeinsam können wir es schaffen".

Wer ist sichtbar, wird bezahlt und wer ist 'nur' Idealist?

Nun wäre es freilich naiv zu glauben, dass z.B. große Volksbegehren ganz auf basisdemokratischen Füßen stehen. Das würde nicht funktionieren. Um effektiv zu sein, braucht es - gegen alle Romantik - klare und bisweilen auch straffe Strukturen und - im Sinne professioneller Durchschlagskraft - auch Hierarchien und Ebenen. So muss etwa im Bereich der Kommunikation geklärt sein: welche Botschaften werden über welche Kanäle gesendet und wer vertritt sie nach außen. Neben vielen Ehrenamtlichen kann es mitunter von Vorteil sein, Vollzeitmitarbeiter zu engagieren. (dafür braucht es meist entsprechendes Fundraising.) Diese müssen für ihre Arbeit natürlich entsprechend bezahlt werden.

Verhindern, dass die Stimmung kippt

Dabei kann es leicht zu Eifersüchteleien und Missgunst kommen, wenn manche Beteiligte der Meinung sind: "XY bekommt für seine/ihre Arbeit viel Aufmerksamkeit, die nicht nur der gemeinsamen Sache dient sondern XY in die Auslage stellt und dadurch zum persönlichen - etwa beruflichen - Vorteil gereicht, während der Rest rein idealistisch mit dabei ist." Das sind heikle Situationen, die oftmals im Verborgenen vor sich hinköcheln, ehe sie die Motivation im Team senken oder als veritable Konflikte aufbrechen. (Auch bloße Gerüchte können denselben Effekt haben.)

Innen beginnen mit der Kommunikation!

Um ein zivilgesellschaftliches Projekt auch nach innen zu stabilisieren, ist eine beständige und ehrliche interne Kommunikationwichtig. Diese wird oft vernachlässigt, weil man im Eifer der gemeinsamen Sache so nach außen fokussiert ist, dass man aufdräuendes Unbehagen im Inneren entweder gar nicht wahrnimmt oder davon ausgeht, dass Überzeugung und idealistischer Eifer schon über allfälligen Unmut obsiegen werden.

Hat sich jedoch erst einmal der Eindruck breitgemacht, dass z.B. XY die 'gemeinsame Sache' nützt, um eine politische Karriere vorzubereiten, oder wenn hinter dem Projekt gar die Vorbereitung eines Geschäftsmodell vermutet wird, dann wird es kritisch. Dann fühlen sich engagierte Menschen hinters Licht geführt und als nützliche Idioten ausgenutzt und springen ab - zumeist begleitet von großem Frustgetöse via Social Media. Mit fatalen Folgen für die Kampagne.

Reinen Wein einschenken!

Wenn man Menschen jedoch reinen Wein einschenkt und von Anfang an transparent erklärt, wie die Strukturen sind und v.a. warum sie so sind, hat man gute Chancen, mit ungebrochenem Engagement rechnen zu dürfen. Regelmäßige Feedbackmeetings und das Einbinden der Beteiligten in wichtige Planungsschritte können beim Erzeugen eines positiven Klimas helfen. Was man keinesfalls tun sollte: Beschwichtigen oder versuchen Menschen mit Lügen bei Laune zu halten. Sind diese erstmal als solche enttarnt, ist zumeist der Ofen aus.

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