Zu wissen, auf welchen Browsern eine Website bevorzugt angesteuert wird, ist entscheidend für ihre Programmierung & Onlinemarketing-Optimierung.1 Neben dem Blick in die eigenen Analysetools (z.B. Google Analytics) sollten auch Trends jenseits des eigenen Tellerrandes berücksichtigt werden.2 Für letztere gibt es Statistiken, die über die aktuellen Marktanteile der gängigen Browser informieren. Meist beruhen diese auch auf empirisch sinnvollen und transparenten Methoden und liefern prinzipiell valide Ergebnisse.3 Doch die Schwankungsbreite zwischen den einzelnen Diensten ist recht groß, ebenso wie die (unabsichtlich) erfassten Sinusmilieus. Ich will es exemplarisch anhand von zwei Beispielen demonstrieren.

Die Marktanteile von Safari, Chrome, Internet Explorer, Firefox & Co ändern sich stetig!

Vergleicht man beispielsweise die Daten der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) mit jenen des Portals browser-statistik.de so erhält man für Firefox und Chrome durchaus ähnliche Prozentwerte; bei Internet Explorer und Safari scheint man dagegen spiegelverkehrte Welt vor sich auf dem Schirm zu sehen. Nun kann man an dieser Stelle mit Fug und Recht einwenden, dass es sich im einen Fall um österreichische und im anderen um deutsche Daten handelt. Eine derart hohe Abweichung (>20%) kann aber auch mit dieser Einschränkung nicht hinreichend erklärt werden. So verschieden sind Österreich und Deutschland dann auch wieder nicht… (Abgesehen davon habe ich in letzter Zeit Statistiken mit noch extremeren Abweichungen voneinander gesehen: da gab es für den Internet Explorer mal Werte um die 5% und dann sollen es wieder 40% Marktanteil gewesen sein. Im Fall des IE frage ich mich zudem: Reicht bei manchen Erhebungen allein schon das obligatorische Vorhandensein auf jedem PC aus, um Eingang in die NUTZUNGSstatistik zu finden? Ist nicht immer so wirklich klar…)

Wenn Schwankungsbreiten so riesig sind, treten naturgemäß Zweifel hinsichtlich der repräsentativen Aussagekraft der Zahlenwerke auf. Die Lösung des Rätsels liefert dann ein Disclaimer bei browser-statistik.de:

„Die Datenbasis ist keineswegs als repräsentativ anzusehen. Grundsätzlich umfasst Browser-Statistik.de tendenziell eher technik-affine Webseiten, deren Nutzer vergleichsweise häufig Firefox, Opera und Safari nutzen. Diese Zahlen sind daher naturgemäß nur bedingt aussagekräftig und können lediglich Trends wiedergeben. Zusätzlich sollten weitere Statistik-Quellen hinzugezogen werden.“ (Quelle: http://www.browser-statistik.de/marktanteile/)

Heureka! Nicht jeder Dienst macht auf solche Einschränkungen aufmerksam. Diese verdanken sich im übrigen auch nicht bestimmten Teilnahmevoraussetzungen (es kann ja jeder, der möchte, mittun – ob Geek oder nicht) und sind wahrscheinlich auch nicht intendiert sondern kristallisieren sich erst mit der Zeit heraus.

Das Browser-Verhalten beeinflusst auch Ihr Onlinemarketing! Dementsprechend wichtig sind valide Daten!
Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Datengrafik zu gelangen!

Nachdem sich die Nebel um die algorithmische Deutungshohheit also gelichtet haben – beide haben Recht! -, tappe ich noch immer im Dunkeln, welche Statistik besser zu meinen Zielgruppen passt. Der durchschnittliche Klient / die durchschnittliche Klientin von Marketing-Agenturen ist zwar im Regelfall kein Hardcore-Techie, aber doch IT-affiner als die in der ÖWA-Statistik querschnittmäßig erfassten Durchschnittsonlinebürger. Den Mittelwert bilden? Nee nee, so kommt man auf keinen grünen Zweig.

Mir schwebt etwas anderes – zugegebenermaßen Utopisches – vor, um valide Browsernutzungsdaten für einzelne Branchen zu gewinnen. Interessensverbände und auch die Fachgruppen von Kammern könnten als Datawarehouse-Schnittstellen fungieren und Mitglieder in einem anonymisierten Verfahren um die (klarerweise freiwillige) Übermittlung entsprechender Statistiknachweise ersuchen. Im Gegenzug würden diesen dann die gesammelten und ausgewerteten Datensätze kostenlos zur Verfügung gestellt werden. (Man kann im Sinne eines umfassenden Serviceangebotes ja auch gleich mehr abfragen.) Um einheitliche Erhebungsstandards zu gewährleisten, sollte ein kleines, sehr einfach implementierbares Zugriffstool für den Datentransfer sorgen. An den technischen Möglichkeiten scheitert so ein Ansatz nicht. Es gibt genügend Services, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.

Die Lösung hätte zudem den Vorteil, dass sie größere Zusammenhänge als den der eigenen Website erfasst und zugleich auch branchenspezifische Aussagekraft hat. (Und wahrscheinlich um einiges zuverlässiger ist als die – meist kostenpflichtigen – Branchenkennzahlen diverser Datenprovider.) Zugegeben, Webbrowser-Statistiken sind nicht alles im Leben, aber in der Weihnachtszeit darf man sich ja auch mal was wünschen. ;-)

Anmerkungen:

1 Schon allein aus Gründen des Webdesigns, das im Internet Explorer nicht automatisch gleich angezeigt wird wie in Chrome, Firefox oder Safari. Aber auch um Rückschlüsse auf mobile Nutzung und Desktop-Nutzung zu gewinnen. (Was wird mobil angesurft, was am PC etc. etc.?)
2 Ein solcher Trend betrifft etwa das (in mehreren Statistiken ermittelte) stetige Wachstum von Google’s Chrome-Browser. Hier die entsprechenden Daten aus der ÖWA-Analyse:
Juni: 38.1%; Juli: 38.5%; August: 36.9%; September: 36.7%; Oktober: 36.3%; November: 35.6% (Quelle: ÖWA – Browserstatistik/November: http://www.oewa.at/index.php?id=14885) // Die Daten von browser-s tatistik.de liefern einen beinahe identischen Verlauf, nur eben auf einem viel niedrigeren Ausgangsniveau: Juni: 16.9%; Juli: 17.2%; August: 16.7%; September: 16.4%; Oktober: 15.7%; November: 15.1% (Quelle: http://www.browser-statistik.de/marktanteile/)

3 Nähere Infos zu den in diesem Blogbeitrag zitierten Datenanbietern können hier und hier eingesehen werden.